2 August 2020

Marian Turski

Holocaustüberlebende(r)

Gedenkrede zum 2. August 2020, Internationaler Gedenktag an den Holocaust an Sinti und Roma

Der nächste Gedenktag der Roma-Vernichtung in Auschwitz-Birkenau steht kurz bevor. Was kann ich als ehemaliger Häftling von Oświęcim meinen Roma- und Sinti-Brüdern im heutigen Polen, in einem von der Pandemie heimgesuchten Europa, sagen? Wir alle sind als Menschen voller Angst, aber irgendwann wird ein wirksamer Impfstoff entdeckt werden, oder eine andere Möglichkeit, diese Pandemie zu verhindern, wie es bereits in vielen anderen Fällen geschehen ist. Es gibt allerdings eine andere gefährliche Krankheit, die Polen und Europa heimsucht - es ist der Hass gegenüber anderen Menschen, er infiziert den Verstand, und es ist äußerst schwierig, ein Medikament dagegen zu finden.

Wenn wir nicht in der Lage sind, unsere Ressentiments gegenüber dem Anderssein zu überwinden, d.h. den Antiziganismus, den Antisemitismus, die Xenophobie und die Angst vor dem Gegenüber, so ist die Furcht viel schlimmer als jede Epidemie, sie vergiftet unseren Geist.  

Ich möchte meinen Roma-Brüdern mitteilen, dass der polnische Autor Antoni Słonimski ein Gedicht geschrieben hat: "Der ist aus meinem Vaterland". Ich kann nicht an dieser Stelle das Gedicht in seiner Gesamtheit zitieren, aber ich möchte dessen Botschaft zusammenfassen - der Dichter sagt, derjenige, der leidet, wenn die Griechen leiden, derjenige, der Schmerz empfindet, wenn der Franzose Schmerz empfindet, "der ist aus meinem Vaterland".

Ich träume davon, möglichst viele Menschen wie die in diesem Gedicht mögen in meiner Heimat wohnen.

Biografie

Marian Turski (Geburtsname: Moshe Turbowicz) wurde 1926 in Lodz geboren. Die Deutschen drangen 1939 in Polen ein, und 1940 wurden Moshe, seine Eltern Eliasz und Helena Rachel sowie sein jüngerer Bruder Wolf in das Ghetto von Lodz gezwungen. Moshe besuchte das Ghetto-Gymnasium und schloss sich einer kommunistischen Jugendgruppe an. Im August 1944 wurde die Familie Turbowicz in das Tötungszentrum Auschwitz deportiert, wo Moshes Vater und höchstwahrscheinlich auch sein Bruder bei der Ankunft ermordet wurden. Später wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald überführt und in Theresienstadt befreit, nachdem er einen Todesmarsch aus Buchenwald überlebt hatte. Moshe kehrte nach Lodz zurück, wo er seine Mutter wiedertraf. Später heiratete er Halina, eine Überlebende des Warschauer Ghettos. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Marian Turski in Polen eine herausragende Karriere als Journalist und jüdischer Aktivist gemacht.

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