2 August 2020

Marija Pejčinović Burić

Generalsekretärin des Europarates

Gedenkrede zum 2. August 2020, Internationaler Gedenktag an den Holocaust an Sinti und Roma

Verehrte Gäste, liebe Freunde,

In einer Zeit, in der Europa und die ganze Welt mit den Folgen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen haben, ist es wichtig, dass wir an den Werten festhalten, die uns wichtig sind. Deshalb ist es zwar richtig, dass sich das Format der diesjährigen Begehung dieses Gedenktages geändert hat, aber es ist ebenso wichtig, dass wir diesen Gedenktag beibehalten.

Am zweiten August ist es 76 Jahre her, dass die letzte Gruppe von Sinti- und Roma-Häftlingen - Männern, Frauen und Kindern - in den Gaskammern des berüchtigten “Zigeunerlagers” in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde: Etwa 3 000 Menschen von insgesamt mindestens einer halben Million Getöteten. Das Gedenken dieser Menschen ist lebensnotwendig. Nicht nur, weil jedes der Opfer unseren Respekt verdient, so wichtig das auch ist - aber auch, weil die Erinnerung an den Holocaust eine Schlüsselrolle beim Wachhalten des historischen Gedächtnisses hat.Damit wir verstehen, was geschehen ist, wozu die Menschheit fähig ist und wie notwendig es ist, dafür zu sorgen, dass es nie wieder geschieht.

Deshalb ist das Gedenken des Holocaust an den Roma eines der Hauptziele des strategischen Aktionsplans im Europarat für die Integration der Roma und der Fahrenden. Es spielt auch eine wichtige Rolle in der Empfehlung - erst letzten Monat von unseren 47 Mitgliedsstaaten angenommen - in der aufgefordert wird, die Geschichte der Roma und der Fahrenden in die Curricula und die Lehrmaterialien der Schulen aufzunehmen.

Es ist richtig, dass junge Menschen - dass alle Menschen - verstehen sollten, dass diese Gemeinschaft über Jahrhunderte hinweg mit einer reichen Kultur in Europa präsent war, die trotz des Hasses, der Vorurteile und der Diskriminierung, denen sie oft ausgesetzt war, überlebt hat, und wenn diese negativen Erscheinungen unbehelligt bleiben, sie zu Revisionismus und Holocaust-Leugnung führen können.

Wir dürfen vor diesen Dingen niemals die Augen verschließen. Vielmehr obliegt es uns, uns für eine Zukunft einzusetzen, in der jeder in jedem die inneren Werte sieht: In der wir Vielfalt, gegenseitigen Respekt und den Mehrwert des Zusammenlebens und des Voneinander-Lernens hochachten.

Die Europäische Menschenrechtskonvention garantiert per Gesetz die Grundrechte, auf die alle Europäer Anspruch haben. Aber Gesetze reichen nicht aus. Wir brauchen eine Kultur der Akzeptanz und des gegenseitigen Verständnisses, in der Diskriminierung undenkbar und die menschliche Würde unentbehrlich wird. Der Fortschritt war manchmal langsam, aber es gibt eine positive Entwicklung.

Zu oft ignoriert, wurde der Holocaust der Roma im Jahr 1982 von Deutschland formell anerkannt. Und seitdem haben immer mehr europäische Länder - zuletzt Rumänien - einen Gedenktag für die Roma eingerichtet, die zum Opfer dieses schrecklichen Verbrechens fielen. Dies ist eine wichtige Bekräftigung der Tatsache, dass eine bessere Zukunft nur auf einem soliden Verständnis der Vergangenheit aufgebaut werden kann.

Meine Gedanken sind heute bei denen, die ihr Leben verloren haben, bei denen, die überlebt haben, und bei den Gemeinden der Roma und der Fahrenden, die weiterhin zum reichen und vielfältigen kulturellen Leben unseres Kontinents beitragen.

Commemoration Speeches

Helena Dalli

Kommissarin für Gleichheitspolitik, Europäische Kommission

Stéphane Dion

Botschafter Kanadas in der Bundesrepublik Deutschland, Sonderbeauftragter Kanadas für die EU und Europa

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