2 August 2020

Rita Prigmore

Holocaustüberlebende(r)

Gedenkrede zum 2. August 2020, Internationaler Gedenktag an den Holocaust an Sinti und Roma

Liebe Freunde,

wir sind heute hier, um den 2. August zum Gedenken an den Holocaust an den Sinti und Roma zu begehen. Mein Name ist Rita Prigmore, ich bin eine Sintiza, ich bin eine Holocaust-Überlebende. Ich bin heute hier, um Ihnen meine Geschichte, meine Geschichte und die meiner Familie zu erzählen.

Wir Sinti hier in Würzburg wurden wie alle anderen verhaftet, und die meisten Familienmitglieder wurden sterilisiert – diejenigen, die nicht nach Auschwitz gingen und deportiert wurden. Ich bin ein Zwilling. Meine kleine Zwillingsschwester und ich wurden am 3. März 1943 geboren, und die Gestapo hat uns meiner Mama weggenommen. Sie haben Experimente an meiner Schwester Rolanta und mir durchgeführt und versucht, die Augenfarbe zu ändern. Und bis heute habe ich gesundheitliche Probleme davon. Jeden Schmerz, den ich habe, erinnert mich daran.

Meine kleine Schwester hatte nicht so viel Glück. Sie starb an den Versuchen, die Augen zu färben. Dies wurde von Herrn Heyde hier durchgeführt. Die gleichen Experimente wurden in Auschwitz von Mengele durchgeführt. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass ich überlebt habe.

Der Rassismus hat gegen uns, gegen die Roma, Sinti und Juden, von neuem begonnen. Wir müssen überleben und zusammenhalten gegen jede Art von Rassismus, gegen jede Art von Hass. Es spielt keine Rolle, wo man herkommt, wir sind alle Menschen, und wir sind alle Kinder Gottes. Aber manchmal hilft Gott nicht. Also müssen wir uns selbst helfen und uns gegenseitig beistehen.

Die Jugendveranstaltung Dikh He Na Bister zeigt, wie wichtig die Erinnerung und Geschichte für junge Menschen ist. Wir werden die Geschichte des Holocaust nie vergessen. Ich bitte Sie, mit mir - jeden Tag - gegen Rassismus, gegen Hass und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu kämpfen.

Biografie

Rita Prigmores Mutter wurde zur Sterilisation gezwungen. Da sie schwanger war, sollte sie zunächst abtreiben. Bei einer Untersuchung stellten die Ärzte jedoch fest, dass sie eineiige Zwillinge gebären würde. Deshalb konnte sie die Kinder am 3. März 1943 in Würzburg zur Welt bringen. Kurz darauf begann der Direktor des Würzburger Universitätsnervenklinikums Werner Heyde, an den Geschwistern Rita und Rolanda grausame „Zwillingsexperimente“ durchzuführen. Ihre Schwester verstarb nach kurzer Zeit, als die Mediziner versuchten, ihre Augenfarbe mit Tinte zu verändern. Rita blieb ein Jahr lang den menschenverachtenden Experimenten des Regimes unterworfen. Noch heute leidet sie deshalb unter Schwindel, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Erst nach Kriegsende und erst nach der Emigration in die USA, konnte Prigmore rekonstruieren, was mit ihr geschehen war. Seitdem verbreitet sie ihre Geschichte. So sind ihre Erlebnisse, sowie die ihrer Mutter, im Holocaust Memorial In Washington archiviert. Mit Unterstützung der Gemeinschaft Sant ‘Egidio hält sie Vorträge in ganz Europa Vorträge über die nationalsozialistische Verfolgung der Sinti und Roma.

Testimonies of Holocaust Survivors

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