2. August 2021

Angelina Kappler

ist Winzerin, Sintezza und die Deutsche Weinkönigin 2019/2020

Interview anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für die Sinti und Roma am 2. August 2021

Als ich mit meiner Mutter über die Erlebnisse gesprochen habe war es sehr sehr schwierig für sie und sehr emotional. Weil es natürlich ein Thema ist, welches jeden sehr aufwühlt und sie hat mir zwar vieles erzählt, aber sie hat auch zu mir gemeint, dass gerade das Gespräch mit meinem Opa sehr schwer damals war, dass er viele Dinge nicht erzählt hat, weil es einfach viel zu traumatisch für ihn war und er natürlich seine Kinder mit den Erlebnissen auch nicht belasten wollte. Das heißt, den ganzen Umfang, das ganze Ausmaß kennen wir gar nicht.

Der Antiziganismus und der Alltagsrassismus, der immer noch gegenüber den Sinti und Roma herrscht, den haben sowohl meine Mama als auch ich als auch meine jüngere Schwester immer noch miterlebt, bis in die heutige Zeit. Es ist natürlich kein Vergleich zu früher, aber es hilft mit der Generation davor über solche Themen zu reden und selbst zu wissen wie man durchs Leben geht und welche Einstellung man haben um muss, um damit zurecht zu kommen. Aber die konkreten Erlebnisse, die mein Opa im KZ erlebt hat, das war schon sehr sehr schwer für mich zu hören. Ich sage mal, das ist was, man nicht ständig wiedergeben will. Aber es ist gut für mich, dass ich das weiß und es ist gut, dass das hoffentlich viele wissen, weil dann so etwas schlimmes hoffentlich nie wieder passieren kann.

Ich glaube, dass das Erinnern aber auch das Wissen zu bewahren geht Hand in Hand und geht auch mit dem Häufigen Rassismus Hand in Hand, denn ist häufig einfach Unwissenheit. Deswegen ist es etwas, in dem nicht nur die Bevölkerung mit drinhängt, sondern ich sehe es auch als Aufgabe der Regierung, dass man da was grundlegend ändert. Wenn es eine Generation gebe, die aufgeklärt wäre, die einfach weiß, dass die ganzen Vorurteile, die es immer noch über Sinti und Roma gibt, denn ich weiß es, mir haben zu viele diese Vorurteile immer in der Schulzeit vorgehalten. Wenn da mal was passieren würde, dann würde eine ganze Generation vielleicht auch ganz anders mit dem Thema umgehen. Diese Vorurteile, die sehr viele Generationen zurückliegen, werden leider oftmals auch mit den Erinnerungen weitergegeben. Ich glaube, diesen Kreislauf muss man durchbrechen und dann hat man eine gute Grundlage, um eben mehr Respekt zu erweisen und auch für die Zukunft eine Grundlage zu bieten, dass die Minderheit, die Sinti und Roma ein akzeptierter Teil der Gesellschaft werden. Deswegen gehe ich auch persönlich durch die Welt und erzähle jedem der es hören möchte von meiner Geschichte und von dem was ich weiß, in der Hoffnung ein bisschen dazu beitragen zu können.

Meine Botschaft an euch wäre einfach, dass ihr alle in der Verantwortung steht. Wir haben alle die Pflicht diese Erinnerung lebendig zu halten und sie an die nächste Generation weiterzugeben, weil sie sonst aussterben wird. Um eben dieses zu wissen zu bekommen, dann gebt es auch weiter an eure, Kinder, an Freunde an Kollegen. Ich stelle immer wieder fest, dass einfach auch ein großer Wissensdurst dahinter drängt. Deswegen bitte ich euch alle, macht euch stark dafür und sorgt, dass diese Erinnerungen nicht aussterben.

Eröffnungsreden

Romani Rose

Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

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