Foto: Jaroslaw Praszkiewicz

Ankunft im "Zigeunerfamilienlager"

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Schließlich kamen wir an einem großen Tor an, wo man uns anhalten ließ und zählte. Dann gingen wir einen breiten Weg zwischen hölzernen Baracken entlang und in eine davon hinein, in der wir unsere Sachen ablegen sollten. Anschließend wurden wir aufgerufen, in einer Reihe aufgestellt und uns wurden Nummern tätowiert (…). Dann wurden uns Nummern auf die Kleidung genäht und Kreuze mit roter Farbe gemalt, auf die Hose auch Lampassen. All das dauerte die ganze Nacht. Am Morgen hieß es, wir sollen uns in einer Reihe aufstellen, unsere Sachen in der Baracke liegenlassen und ins benachbarte Lager gehen (...) In dem Gebäude gab es einen großen Raum, in dem alle sich nackt ausziehen sollten. Das war furchtbar. Die Menschen wollten sich nicht ausziehen, weil wir dort alle zusammen waren, Männer, Frauen und Kinder. Es wurde geschrien, geweint und geschlagen. Ich weiß noch ganz genau, dass meine älteste Schwester, Božena, die damals 16 war, sich nicht ausziehen wollte (…). Die SS-Frau schlug auf sie ein und riss ihr die Kleider vom Leib, während meine Schwester schrie, weinte und sich wehrte. Wir mussten die Kleidung so zusammenbinden, dass man die Nummer sehen konnte. Dann wurden wir geschoren und rasiert. So, wie wir danach aussahen, erkannten wir einander kaum noch wieder. (...) Anschließend wurden wir unter eine eiskalte Dusche gejagt. (…) In dieser Zeit wurden unsere Kleider desinfiziert. Dann wurden unsere Namen und Nummern aufgerufen und wir bekamen unsere Kleidung zurück.

Aus einem Bericht von Antonín Absolon, der im Zigeunerfamilienlager inhaftiert war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau (APMA- B), Bestand Oświadczenia [Berichte], Bd. 80, 84-88. Übersetzung aus dem Polnischen.

Auch nach der Gründung des gesonderten Zigeunerfamilienlagers kam es vor, dass polnische Roma, die ins KL Auschwitz-Birkenau deportiert wurden, als polnische Häftlinge in anderen Bereichen des Lagers untergebracht wurden.

Am 14. September 1943 wurde ich mit einem Transport aus Radom ins KL Auschwitz gebracht. Im Lager erhielt ich die Häftlingsnummer 150321 (...). Circa zwei Wochen lang musste ich nicht arbeiten (...) ich verbrachte diese Zeit in der Quarantäne. Uns wurde beigebracht, uns in Fünferreihen aufzustellen, auf Befehl Mützen abzunehmen und aufzusetzen und deutsche Lieder zu singen. Ich musste zudem sehr schnell die Nummer, mit der ich im Lager gekennzeichnet wurde, auf Deutsch lernen. In der Quarantäne quälten uns die SS-Männer und die Kapos mit stundenlanger Gymnastik (...). Ich wurde oftmals heftig geschlagen. Anschließend wurde ich ins Männerlager überstellt, in den Abschnitt BIId in Birkenau (...), hinter dem sich das Zigeunerlager befand. Dort waren viele meiner Verwandten inhaftiert (…). Ich konnte mich oft mit meiner Schwester oder meinem Schwager durch den Draht unterhalten. Dies dauerte aber nicht lange. Bald darauf wurden sie zusammen mit anderen aus meinem Volk in der Gaskammer ermordet.

Aus einem Bericht des ehemaligen Häftlings Władysław Szmyt, Historisches Institut der Roma (RIH) in Oświęcim. Übersetzung aus dem Polnischen.

Sinti und Roma in Auschwitz

Sign of Block 11; photo taken by Jaroslaw Praszkiewicz.

Block 11

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Photo of flower in front of barbed wire fence taken in Auschwitz-Birkenau by Jaroslaw Praszkiewicz.

Fluchten

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Photo of KL Auschwitz II-Birkenau taken by Jaroslaw Praszkiewicz.

Kinder

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

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