Foto: Jaroslaw Praszkiewicz

Fluchten

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

In der Zeit zwischen der Ankunft der ersten Roma im KL Auschwitz im Juli 1941 und der Liquidierung des Zigeunerfamilienlagers am 2. August 1944 versuchten 38 Sinti und Roma, darunter zwei Frauen, aus dem Lager zu fliehen. 30 von ihnen waren im Zigeunerfamilienlager inhaftiert. Eine Person wurde beim Fluchtversuch erschossen. 30 wurden ergriffen, im Bunker des Blocks 11 eingesperrt und anschließend an der Todeswand durch Erschießung hingerichtet. Zu den übrigen sieben Personen gibt es keine Angaben, was darauf hindeuten könnte, dass ihnen die Flucht gelungen ist. Ein ehemaliger Häftling berichtet, dass die ergriffenen Geflohenen auch im Zigeunerlager durch den Strang hingerichtet wurden.

Häftlinge, die beim Fluchtversuch erwischt worden waren, wurden auch in anderen Lagern des KL Auschwitz hingerichtet, die als Arbeitslager fungierten. Zu diesen Außenlagern gehörte auch das Arbeitslager Janinagrube im Steinkohlebergwerk Janina in Libiąż, das seit 1943 dem KL Auschwitz untergeordnet war. Ein deutscher Sinto oder Rom, der in diesem Lager inhaftiert war, versuchte durch einen Tunnel unter dem Stacheldrahtzaun zu fliehen. Nach Entdeckung des Tunnels wurde der Häftling zunächst in den Block 11 im KL Auschwitz I verlegt, dann aber zurückgebracht und auf einem provisorischen Galgen auf dem Gelände des Bergwerks erhängt.

Es gab ein paar Fluchtversuche unter den Zigeunern. Wenn sie erwischt wurden, wurden ihre Leichen als Warnung durch alle Baracken getragen. Ihre Beine waren entblößt, damit man die Wunden von den Hundebissen sehen konnte, und an den Körpern waren Spuren von Kugeln zu erkennen. Es ist kaum zu beschreiben, welche Szenen sich dort abspielten, wenn die Familien in den Getöteten ihre Verwandten, ihre Väter oder Brüder wiedererkannten.

Aus einem Bericht des ehemaligen Häftlings Jan Češpiva, der u.a. als Arzt im Zigeunerfamilienlager eingesetzt war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau (APMA-B), Bestand Oświadczenia [Berichte], Bd. 74, 32-35. Übersetzung aus dem Polnischen.

Sehr viele Zigeuner flüchteten aus dem Lager, aber diese Fluchten endeten nicht gut für sie. Die Ergriffenen wurden nach Auschwitz gebracht und dort erschossen. Ich erinnere mich, dass einmal im Zigeunerlager zwei Zigeuner und eine Zigeunerin erhängt wurden, die bei dem Versuch erwischt worden waren, durch ein Holzfass zu fliehen, das zwischen den Drähten steckte.

Aus einem Bericht von Jan Kwiatkowski, der im Zigeunerfamilienlager inhaftiert war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau (APMA-B), Bestand Oświadczenia [Berichte], Bd. 3, 399-400. Übersetzung aus dem Polnischen.

Der Zigeuner, der einen Fluchtversuch ergriffen hatte, wurde zuerst im Bunker im Außenlager eingesperrt und später nach Auschwitz in den Block 11 überstellt. Nach etwa zwei Monaten wurde ein Galgen auf dem Gelände der Janinagrube errichtet und der Zigeuner wurde öffentlich erhängt.

Aus einem Bericht des ehemaligen Häftlings Eugeniusz Ciećkiewicz. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau (APMA-B), Bestand Oświadczenia [Berichte], Bd. 30, 94-100. Übersetzung aus dem Polnischen.

Sinti und Roma in Auschwitz

Sign of Block 11; photo taken by Jaroslaw Praszkiewicz.

Block 11

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Photo of flower in front of barbed wire fence taken in Auschwitz-Birkenau by Jaroslaw Praszkiewicz.

Fluchten

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Photo of KL Auschwitz II-Birkenau taken by Jaroslaw Praszkiewicz.

Kinder

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

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