Foto: Jaroslaw Praszkiewicz

Dr. Mengele und seine Menschenversuche

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Dr. Josef Mengele war Assistent von Prof. Otmar Freiherr von Verschuer vom Universitäts-Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene in Frankfurt am Main, der zu dieser Zeit zu den anerkanntesten Experten im Bereich der Rassenanthropologie zählte. Mengele hatte als SS-Mitglied an der Front gekämpft, wurde 1942 bei den Kampfhandlungen am Don verwundet und als frontuntauglich eingestuft. Aufgrund einer Empfehlung von Verschuers wurde er als SS-Lagerarzt im KL Auschwitz eingesetzt. Mengeles Labor befand sich im Block 32 im Zigeunerfamilienlager. Seinen Versuchen ging er zudem auch in der benachbarten Waschbaracke, der sogenannten Sauna nach, in der er ebenfalls seine Opfer ums Leben brachte. Mengele interessierte sich besonders für den Wasserkrebs, Noma, der in normalen Lebensbedingungen äußerst selten vorkam. Er befahl unter anderem, eine Anzahl an Noma erkrankter Kinder zu töten, und übergab die Leichen dem Hygiene-Institut der Waffen-SS zwecks Durchführung von histopathologischen Untersuchungen. Besonders berüchtigt waren Mengeles Versuche an Zwillingen, die unter anderem Bluttransfusionen zwischen den Zwillingen, gezieltes Anstecken mit diversen Krankheiten zwecks Medikamententests, operatives Verbinden der Blutgefäßsysteme der Zwillinge, Kastrationen und Amputationen von Geschlechtsorganen umfassten. Außer Zwillingen interessierte sich Mengele auch für körperlich Behinderte sowie für Menschen mit unterschiedlicher Färbung der Iris, die er durch Verabreichung diverser Augentropfen zu ändern versuchte. Laut Berichten von ehemaligen Häftlingen lebten am Tag der Liquidierung des Zigeunerlagers, dem 2. August 1944, noch 12 Paar Roma-Zwillinge. Diese soll Mengele eigenhändig erschossen und anschließend seziert haben.

Aus der Zeit, als ich im Block 22 arbeitete, erinnere ich mich an folgendes Ereignis. Das war im Frühjahr 1944. Dr. Mengele hielt vor dem Block an (...). Eine Gruppe von Zigeunerkindern aus dem Kindergarten ging gerade, in Paaren aufgestellt, die Lagerstraße entlang. Als sie Dr. Mengele sahen, kamen einige von den Kindern angelaufen und riefen: „Onkel, Onkel“. Dr. Mengele unterhielt sich mit ihnen und teilte ihnen Bonbons aus. Ich war verwundert über diese Vertrautheit zwischen den Zigeunerkindern und einem SS-Arzt und fragte einen Kollegen, Dr. Weisskopf, danach. Er teilte mir mit, dass es Zwillingspaare seien, für die sich Dr. Mengele aus wissenschaftlichen Gründen interessiere. Seither begann ich, mehr auf diese Kinder zu achten (...). Ich traf sie auf der Lagerstraße oder im Kindergarten (...). Es machte mich stutzig, dass immer wieder einige Zwillingspaare fehlten, sowie die Kinder mit den unterschiedlich gefärbten Augen. (...) Ich fragte also den Funktionshäftling im Kindergarten (...), wo die Zwillinge und die Kinder mit den unterschiedlichen Augenfarben blieben. Sie sagte, sie wisse es nicht, dass Dr. Mengele aber ab und zu ein paar von den Zwillingen mit ins Auto nehme und sie von der Kindergartenliste streichen lasse.

Aus einem Bericht der ehemaligen Insassin Danuta Szamańska, die als Arztsekretärin im Krankenbau des Zigeunerfamilienlagers eingesetzt war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau (APMA-B), Bestand Oświadczenia [Berichte], Bd. 87, 97-99. Übersetzung aus dem Polnischen.

Ich hatte zuerst in der Kinderabteilung gearbeitet, danach verlegte Mengele mich in den Block 22, wo hauptsächlich die an Wasserkrebs (Noma) Erkrankten lagen. Aufgrund seiner Forschungsarbeit interessierte sich Dr. Mengele persönlich für diese Kranken. Sein Augenmerk lag außerdem auf Zwillingskindern sowie auf Kindern mit unterschiedlichen angeborenen Anomalien. (...) Dr. Mengeles Labor befand sich in der Sauna. Ich bemerkte, dass Mengele mild zu den Kindern war, für die er sich zum gegebenen Zeitpunkt interessierte, er schenkte ihnen sogar Süßigkeiten. Sie vertrauten ihm und nannten ihn „Onkel“. Am Ende der Forschungen wurden diese Kinder meistens getötet.

Aus einem Bericht der ehemaligen Insassin Ludwika Wierzbicka, die als Krankenpflegerin im Krankenbau des Zigeunerfamilienlagers eingesetzt war. Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau (APMA-B), Bestand Oświadczenia [Berichte], Bd. 87, 82-96. Übersetzung aus dem Polnischen.

Ich war auch bei Mengele, wenn er Zwillinge aussuchte für seine Experimente, ich musste sie dann zu ihm bringen, er hat ihnen extra Nummern gegeben. Bei seinen Versuchen durfte ich nicht dabei sein, er hat mich dann immer hinausgeschickt. Einmal war ich aber doch bei ihm im Raum, zufällig, da habe ich gesehen, wie die Kinder irgendeine Flüssigkeit in die Augen bekommen haben, sie bekamen dann riesengroße Augen. Einige Tage später habe ich die Kinder dann tot in der Leichenbaracke gesehen.

Aus einem Bericht von Helmut Clemens, der im Zigeunerfamilienlager inhaftiert und als Laufbursche für Dr. Mengele eingesetzt war. Zit. nach Gedenkbuch. Die Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, München – London – New York – Paris 1993, Bd. 2.

Sinti und Roma in Auschwitz

Sign of Block 11; photo taken by Jaroslaw Praszkiewicz.

Block 11

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Photo of flower in front of barbed wire fence taken in Auschwitz-Birkenau by Jaroslaw Praszkiewicz.

Fluchten

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

Photo of KL Auschwitz II-Birkenau taken by Jaroslaw Praszkiewicz.

Kinder

Auszug aus "Die Vernichtung der europäischen Roma im KL Auschwitz"

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