Symbolisches Gedenken vor dem Schweinzuchtbetrieb in Lety u Pisku, Juni 2014, Foto: Gustav Pursche.

Der Kampf um die Beseitigung der Schweinzuchtbetriebe am früheren „Zigeuner-Lager“ nahe Lety u Písku

Das "Zigeunerlager" in Lety u Písku im ehemaligen Protektorat Böhmen und Mähren, heute in der Tschechischen Republik, wurde 1940 als Gefängnis und Arbeitslager für "asoziale Elemente" errichtet. Es war für 600 Häftlinge ausgelegt, aber nachdem es im August 1942 zum "Zigeunerlager" wurde, waren dort (geschätzt) 1.309 Männer, Frauen und Kinder inhaftiert; 326 von ihnen starben dort. Überlebende sprechen von einer viel höheren Zahl von Häftlingen und Opfern, die historische und archäologische Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Die meisten der Häftlinge wurden 1943 nach Auschwitz deportiert, das Lager wurde im August 1943 geschlossen. Fast die gesamte tschechische Roma-Gemeinschaft wurde während des Zweiten Weltkriegs ausgelöscht, nur ein Zehntel der Vorkriegsbevölkerung überlebte.

In den 1970er Jahren wurde auf dem Gelände des Lagers Lety u Písku eine großer Schweinezuchtbetrieb errichtet. Seit 1993, als die Arbeit von Paul Polansky die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf das Lager Lety lenkte, fordern Roma-Aktivisten die Beseitigung des Zuchtbetriebs und die Errichtung einer würdigen Gedenkstätte zur Erinnerung an die Roma-Opfer während des Holocausts. 1995 wurde auf Initiative des tschechischen Präsidenten Václav Havel an der vermuteten Stelle der Massengräber der Opfer ein kleines Mahnmal in Form eines Steins errichtet. Cenek Ružicka und das Komitee zur Wiedergutmachung für die Opfer des Holocaust an den Roma setzten die Verhandlungen mit der tschechischen Regierung fort, allerdings ohne Erfolg. Die EU, die International Holocaust Remembrance Alliance, der Europarat und der UN-Menschenrechtsausschuss drängten die tschechischen Behörden, die Schweinezucht zu entfernen; gleichzeitig subventioniert der EU-Agrarfonds den Betrieb weiterhin.

Seit 2012 führt die Roma-Basisorganisation Konexe Kampagnen zur Bewusstseinsbildung und zur Beseitigung der Schweinefarm durch, indem sie die Schweinezuchtbetrieb zum Symbol für den gegenwärtigen Antiziganismus in der Tschechischen Republik erklärt. Eine einwöchige Blockade des Haupttors der Farm im Mai 2014, internationale Gedenkveranstaltungen mit jungen Roma-Aktivisten aus ganz Europa in Zusammenarbeit mit der Europäischen Antirassismus-Basisbewegung EGAM, offene Briefe in den wichtigsten Medien sowie Proteste gegen Hassreden und Holocaust-Leugnung lösten breite mediale und öffentliche Aufmerksamkeit aus. Nach zwei Jahrzehnten des Kampfes der tschechischen und europäischen Zivilgesellschaft unterzeichnete die tschechische Regierung 2017 schließlich einen Vertrag mit dem Unternehmen, um die Schweinezucht zu kaufen. Gemäß dem Vertrag wurde der Betrieb 2018 geschlossen und bis 2023 wird auf dem Gelände eine würdige Gedenkstätte errichtet.

Im Juni dieses Jahres gab das Museum für Roma-Kultur in der Tschechischen Republik den Gewinner des landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs für die Gestaltung der zukünftigen Gedenkstätte für die ermordeten Sinti und Roma des ehemaligen KL Lety u Písku bekannt.

Aktuelle Kämpfe um Fürsprache und Anerkennung

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Gemeinsame Erklärung anlässlich des 2. August 2020 - Internationaler Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

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