Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau; Foto: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma.

2. August 2019

Botschafter Georges Santer

Vorsitzender der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA)

Grußwort an der Gedenkstätte für Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau zum 75. Jahrestag des 2. August 1944 - den Europäischen Holocaust Gedenktag für Sinti und Roma 2019

Ich bin als Vorsitzender der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zutiefst bewegt von der Einladung, an den Erinnerungsfeierlichkeiten anlässlich des 75. Jahrestages der Liquidation des sogenannten „Zigeunerlagers“, dem Lagerabschnitt für Sinti und Roma hier in Auschwitz-Birkenau, teilzunehmen und zu sprechen. Die dramatischen Ereignisse, die in der Nacht von dem 2. Auf den 3. August geschahen, sind allgemein bekannt und bilden das Fundament des Gedenktages an den Völkermord an den Sinti und Roma.

Weniger bekannt sind die Massenmorde, die nach dem Überfall der Nazis auf die Sowjetunion gleichermaßen Juden wie Roma betrafen, als die Erschießungskommandos der Einsatzgruppen, der Wehrmacht, der Polizeieinheiten und der lokalen Hilfspolizei zehntausende Angehörige der beiden Gruppen massakrierten. Die physische Auslöschung in den Vernichtungslagern wurde ebenso wie die Massenmorde mit Kugeln auf der Basis eines ideologischen Rassenkonzepts durchgeführt.

Heute, 75 Jahre nach der Liquidierung des „Zigeunerlagers“, stellen wir mit Besorgnis und Wut fest, dass in vielen europäischen Ländern Roma und Sinti wieder zunehmend diskriminiert, marginalisiert und Opfer von Brutalität werden. An diesem Tag der Trauer und des Gedenkens verpflichten wir uns, gegen das Wiederaufleben eines Übels zu kämpfen, das eine Schande für ganz Europa ist, das gehofft hatte, das der Samen einer besseren Zukunft auf den Boden einer bitteren Vergangenheit gepflanzt werden könnte, wie wir es in der Stockholmer Erklärung, dem Gründungsdokument der IHRA, lesen können.

Die IHRA hat vor vielen Jahren einen Ausschuss für den Völkermord an den Roma mit dem Ziel eingerichtet, das Bewusstsein für die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten gegen Roma und Sinti zu schärfen und Bildung, Erinnerung und Forschung zu einem festen und integralen Bestandteil ihrer Arbeit zu machen.

Daher hat die Organisation die erste umfassende Online-Bildungsplattform zum Völkermord an den Roma und Sinti für Lehrer und Schüler finanziell gefördert. Dem Erhalt von Stätten, an denen die Roma zusammen mit Juden und Angehörigen anderer Gruppen gelitten haben, kommt oberste Priorität bei der Umsetzung zu. Standorte wie Lety u Pisku, Staro Sajmiste, Komaron oder Jasenovac sollen der dauerhafte Beleg für die furchtbare Grausamkeit in der Vergangenheit bleiben und eine Warnung für diejenigen darstellen, die es heute wagen, die Grundwerte unseres demokratischen Nachkriegseuropa zu gefährden.

Bildung, Erinnerung, Forschung und der Erhalt der authentischen Orte sind die grundlegenden Werkzeuge in unserem Bestreben, die Vision der International Holocaust Remembrance Alliance wahr werden zu lassen: „Eine Welt, die an den Holocaust erinnert, eine Welt ohne Völkermord“.

Statements anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma

Romani Rose

Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma

Erich Schneeberger

stellv. Vorsitzender des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma und Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Bayern

Timea Junghaus

Executive Director
European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC)

Adam Strauß

Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Hessen

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